Ausnahmezustand

Der Begriff “sintflutartiger Regen” gewinnt eine völlig neue Bedeutung. Hat sich so Noah gefühlt als er anfing seine Arche zu bauen? In der biblischen Erzählung regnete es 40 Tage, es war eine Katastrophe. In Schweden nennen wir es Sommer.

Am späten Samstagabend, 7. Juli 2012, beginnt es wolkenbruchartig zu regnen, es regnet die ganze Nacht hindurch. Am Morgen werde ich vom Trommeln auf der Holzterrasse geweckt. Da es noch völlig still im Haus ist, widme ich mich den letzten 85 Seiten meines Krimis, der gerade auf den Countdown und die große Auflösung zusteuert.

Gegen 11.00 Uhr kommt allmählich Leben ins Haus. Ein Blick aus dem Fenster in das trübe Regenwetter lässt dann allerding auf einen Schlag alle wach werden. Auf unserem ansonsten so ruhigen See hat sich eine reißende Strömung gebildet. Das Wasser schießt auf mehreren Metern über die Dämme. Niagara-Fälle im eigenen Garten. Mit Gummistiefeln und Regenschirm gehen wir das ganze Ausmaß begutachten. Der kleine Rauschebach, der oben aus dem Wald kommt, hat sich über Nacht in einen reißenden, 5 bis 10 Meter breiten Strom verwandelt. Es hat den Anschein, als strömt ein Wasserfall in unseren Garten. Von unserem Steg ragt nur noch das Holzgeländer aus dem Wasser. Weiter unten ist die Straße komplett überflutet. Sind wir etwa von der Außenwelt abgeschnitten? Dann kommen aber ein paar Fahrzeug, die die Durchfahrt wagen – ist also doch nicht so schlimm. Gegen Mittag lässt der Regen dann nach und hört schließlich ganz auf. Am Abend normalisiert sich die Lage. Die Überflutung der Dämme geht zurück, das Wasser fließt geordnet durch die vorgesehenen Rohre ab. Der Schaden ist allerdings geschehen. Ein Teil des im letzten Herbst neu aufgeschütteten Damms wurde wieder weggerissen. Es fühlt sich heute sehr angenehm an, oben auf dem Hügel zu wohnen.


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